Caro (19) lebt in Berlin, trägt ihre Kaleido in Türkis und Grün am Arm und bewirbt sich gerade um einen Studienplatz für Soziale Arbeit. Das ist kein Zufall: Nach ihrer Diagnose war es eine Sozialarbeiterin an der Charité, die ihr am meisten geholfen hat. Nach dem Studium könnte Caro selbst die Weiterbildung zur Diabetesberaterin machen. „Ich überlege es mir tatsächlich noch.”
Ein Eis, spontan entschieden
Vor zwei Jahren war ein Eis noch eine kleine Inszenierung: irgendwo stehen bleiben, den Pen rausholen, das Ganze mitten auf der Straße. Meistens hat sie es gelassen – nicht, weil sie nicht gedurft hätte, sondern weil es zu anstrengend war. „Diese Freiheit beim Essen hat mir einfach gefehlt.”
Heute gibt sie ihre Kohlenhydrate ein und geht weiter. „Wenn ich draußen bin, hol ich mir mal ein Eis – was ich vorher nicht gemacht hab.” Es sind mehr Snacks in ihrem Alltag, ihr Stammitaliener, ein neuer Döner in einer Ecke der Stadt, die sie noch nicht kennt. Nichts davon muss sie zweimal entscheiden.
Der Abend davor
Die größere Veränderung sieht man von außen nicht. Mit dem Pen fing der nächste Tag schon am Abend an: Das Langzeitinsulin kam vor dem Schlafengehen – und damit stand fest, was der nächste Tag bringen durfte. „Da musste man überlegen, ob man rausgeht und was macht, wie viel man macht, wie intensiv.”
Heute geht sie einfach los. „Da geh ich einfach raus, und die Pumpe merkt, dass mein Blutzucker runtergeht, und registriert das.” Vor dem Rausgehen schaut sie kurz, wie viel Insulin noch in der Pumpe ist – nach drei Monaten sieht sie das auf einen Blick –, und das ist das ganze Ritual. „Ich bin auf jeden Fall spontaner geworden. Dieses Gefühl von ‚Hab ich jetzt genug Insulin dabei?’ hab ich abgelegt.”
Ein Alltag mit mehr Luft darin: „Es ist auf jeden Fall deutlich entspannter, wie ich durch den Alltag gehe.” Manchmal vergisst sie es ganz: „Es ist schon öfter vorgekommen, dass ich einfach vergessen hab, dass ich Diabetes hab.”
Farbe, selbst gewählt
Wenn Caro erklärt, warum sie sich für die Kaleido entschieden hat, fängt sie bei dem an, was andere für nebensächlich halten würden: beim Design. Hummingbird, die Kombination aus Türkis und Grün. Klein genug, um sie dort zu tragen, wo sie möchte – meistens am Arm, mit der Schlauchlänge, die zum Tag passt.
„Im Gegensatz zu den anderen Insulinpumpen, die es gibt, ist die schon recht bunt. Dass man sie auch als Accessoire tragen kann, war für mich relativ wichtig, weil ich nicht immer nur mit medizinischen Devices rumlaufen möchte.” Sie passt zu ihrem Kleidungsstil; Caro trägt viel Blau.
Eine Diagnose aus dem Nichts
Caro war 17 und wegen Bauchschmerzen im Krankenhaus, als der Diabetes neben dem eigentlichen Grund ihres Aufenthalts auftauchte. „Da war der Diabetes quasi nur so ein Nebenbefund.”
Ihre Schule stand hinter ihr: Alle Lehrerinnen und Lehrer wurden informiert, dass sie jederzeit essen oder an ihr Handy gehen darf. Ein paar Freundinnen und Freunden war es zu viel, sie haben sich zurückgezogen – deren Pech, findet Caro. Die, die geblieben sind, haben Snacks in der Hosentasche, ohne dass sie fragen muss, und machen eine Pause, wenn sie eine braucht. „Die Unterstützung von Leuten im eigenen Umfeld zu haben, ist schon relativ wichtig.”
Und was sie am liebsten mag?
Immer noch die Farbe. Türkis und Grün, am Arm, passend zu dem, was sie gerade trägt – und ein Tag, den sie nicht mehr am Abend davor planen muss.