„Das war der Game Changer“

Seit zwei Jahren trägt Bob (43) aus Berlin eine Kaleido-Insulinpumpe. Davor hatte er eine Schlauchpumpe, davor einen Pen – und […]

Seit zwei Jahren trägt Bob (43) aus Berlin eine Kaleido-Insulinpumpe. Davor hatte er eine Schlauchpumpe, davor einen Pen – und dazwischen eine ganze Weile, in der er von Pumpen erst einmal genug hatte. Heute ist er froh, dass er es noch einmal versucht hat. „Die Therapie gibt mir auf jeden Fall Flexibilität im Leben“, sagt er, „und zwar grandios.“

Bob bekam die Diagnose Typ-1-Diabetes vor 14 Jahren, mit 29. An die Zeit erinnert er sich noch genau: Er zog gerade mit seiner damaligen Freundin zusammen und steckte mitten in den Abschlussprüfungen seiner Ausbildung zum Markt- und Sozialforscher. „Plötzlich schlecht gesehen, immer Durst gehabt, klassische Symptome.“ Seine Mutter war es, die den Verdacht hatte. „Sie meinte: Guck mal, du hast den ganzen Tag Durst, ich habe da so einen blöden Verdacht.“

Am meisten störte ihn danach, dass sich sein Alltag nicht mehr so spontan gestalten ließ wie vorher. „Ich war immer sehr glücklich damit, nicht viele Pläne zu machen, sondern spontan zu entscheiden“, sagt er. Vor allem beim Essen machte sich das bemerkbar: Nach 18 Uhr aß er lieber nichts mehr, weil er sonst nachts zwischen zwei und vier Uhr wach wurde. Sein bester Freund lebt in Barcelona, wo die Restaurants um diese Zeit noch gar nicht geöffnet haben.

Erst Pen, dann Pump, dann wieder Pen
Die ersten zwei bis drei Jahre spritzte Bob mit dem Pen. Danach bekam er seine erste Insulinpumpe, ein Modell mit Schlauch, das er am Gürtel trug. Als diese Pumpe während einer Bandtour ausfiel, wurde daraus ein größerer Aufwand: erst ins Krankenhaus, dann eine Apotheke suchen. „Das hätte uns fast einen Tag Tour kaputt gemacht.“ Danach ging er zunächst zurück zum Pen.

Das änderte sich erst, als die ersten Hybrid-Closed-Loop-Systeme aufkamen. „Als die ganze Loop-Sache bekannter und größer wurde, war mir klar, dass ich so etwas haben will.“

Der Hinweis kam von der Diabetologin
Über Pumpen sprach Bob mit seiner Diabetologin. Zwischen Patch- und Schlauchpumpe war er unentschlossen. „Da meinte sie: Ah, warte mal, da kommt gerade ein Produkt auf den Markt. Warte mal ein halbes Jahr.“ Sie meldete sich wieder, als Kaleido verfügbar war. Im Sommer 2024 stellte Bob um – also relativ früh nach der Markteinführung.

Patch oder Schlauch – beides ist möglich
Genau dieser Punkt gab für ihn den Ausschlag. Bob wusste vorher nicht, welche Trageform ihm liegen würde, und bei Kaleido musste er sich nicht festlegen: Dieselbe Pumpe lässt sich als Patch direkt am Körper oder mit Schlauch in der Tasche tragen.

„Ich war mir unsicher, ob Patch oder Schlauchpumpe, und das hat mir die Flexibilität gegeben“, sagt er. „Das ist auf jeden Fall für mich das herausstehende Merkmal daran.“

Inzwischen trägt er sie fast immer als Patch. Herausgefunden hat er das erst im Alltag. Den Schlauchbetrieb nutzt er trotzdem weiter, je nachdem, was er vorhat. „Gerade beim Laufen, dass ich da nicht drüber nachdenken muss, sondern es einfach in meiner Tasche habe, ist cool. Und umgekehrt beim Zuhause rumlaufen, dass ich an Türklinken vorbei kann, ohne dass mir meine Pumpe abgerissen wird, ist auch cool.“

Klein und leicht im Alltag
Ein Unterschied zu seiner alten Pumpe fällt ihm besonders auf: „Die ist klein und leicht.“ Die vorherige trug er am Gürtel, mit einem langen Schlauch – „wie so ein Gerät“. Kaleido trägt er in Schwarz; die Farbauswahl war für ihn nie das entscheidende Kriterium.

Weil Bob über den Tag verteilt viel Insulin braucht, wechselt er das Reservoir alle zwei bis drei Tage. Ein Argument gegen die Pumpe ist das für ihn nicht. „Alle zwei oder alle drei Tage ist ja inzwischen egal.“

„Das geht jetzt plötzlich”
Die größte Veränderung brachte für Bob der DBLG1-Algorithmus, mit dem seine Kaleido-Pumpe arbeitet. An den ersten Tag nach der Einstellung erinnert er sich noch genau: Er ging bei Magic John’s Pizza essen, einem Laden in Berlin, den er sehr empfiehlt. Danach sah seine Kurve aus wie mit dem Lineal gezogen. „Das geht jetzt plötzlich.“

Vorher hätte dasselbe Essen bedeutet, den Wert ständig im Blick zu behalten und nachzuspritzen. „Jetzt gebe ich einfach die Zahl ein und DBLG1 rechnet. Das ist super.“ Über das System sagt er: „Das war der Game Changer. Und ist es auch weiterhin.“

Auch nachts hat sich etwas verändert. „Diabetes weckt mich nur noch ganz selten nachts auf.“ Und abends geht wieder, was lange nicht ging. „Ich fahre einfach los und esse Pizza“, sagt er. Oder er ist um Mitternacht mit Freunden unterwegs, alle essen etwas, und er isst mit. „Prinzipiell esse ich schon, was ich essen will.“

Modi für Sport und Festival
Die verschiedenen Modi der Pumpe nutzt Bob regelmäßig. Auf Festivals schaltet er den Zen-Modus ein, dazu den Modus körperliche Aktivität, und muss dann nur noch alle paar Stunden kurz nachsehen. Beim Snowboarden, mit Übernachtung in den Bergen, hat er die Insulinmenge angepasst.

„Ich benutze solche Einstellungen und spiele da gerne dran rum“, sagt er und lacht, „vergesse dann aber sofort, was ich getan habe.“

Weniger Gepäck, immer drei Pläne
Verändert hat sich auch, was Bob unterwegs dabeihat. Früher gehörte ein großes Paket mit Spritzen zu seiner Reiseausrüstung. Heute hat er eine rote Tasche dabei, in der immer dasselbe liegt: Zucker, eine Powerbank und Spritzen für den Notfall.

An seinem Grundprinzip hält er trotzdem fest. „Ich brauche immer drei Pläne, das ist meine Grundregel. Plan A ist die Pumpe, Plan B ist die Spritze, und Plan C ist: Ich gehe nach Hause und lade mich da wieder auf.“ Der Unterschied ist, dass Plan A heute den größten Teil davon allein übernimmt.

Auf seiner Liste steht übrigens noch etwas: Surfen. Und eine Wanderung über die Alpen, irgendwo bei Salzburg los und irgendwo bei Ljubljana wieder raus.

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