Den Arbeitsalltag mit Diabetes zu meistern, ist nicht immer einfach. Eine unerwartete Unterzuckerung während einer wichtigen Besprechung. Der Blick einer Kollegin oder eines Kollegen, der nicht versteht, warum du jetzt kurz etwas essen musst. Oder das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen, weil man einen Moment braucht, um den Blutzucker zu messen. Viele Menschen mit Diabetes kennen diese Situationen. Sie fühlen sich nicht immer frei, offen zu sagen, was sie brauchen.
Kaleido-Kolleginnen Charlotte und Korelien haben beide Diabetes. Sie berichten offen über ihren Arbeitsalltag. Darüber, was hilft, was schwierig ist und was sie anderen mitgeben möchten. „In meinem vorherigen Job hatte ich eine Kollegin, die monatelang dachte, ich würde während Meetings ein Tamagotchi verwenden, “ erzählt Korelien lachend. „Es war einfach meine Insulinpumpe.“ Solche Momente zeigen, wie wenig manche Menschen am Arbeitsplatz über Diabetes wissen. Und dabei lebt weltweit mehr als jeder zehnte Erwachsene damit. Am Weltdiabetestag steht dieses Jahr deshalb Diabetes am Arbeitsplatz im Fokus.
Endlich Verständnis
„Es tut richtig gut, jetzt bei Kaleido zu arbeiten,” sagt Korelien. „Wenn ich morgens nach einer Nacht mit Unterzuckerungen ins Büro komme, kann ich das einfach offen sagen. Hier versteht das jeder. In früheren Jobs wurde das schnell abgetan: „Hattest du eine Unterzuckerung? Morgen bist du doch wieder völlig in Ordnung.“ Aber so einfach ist es leider nicht.“ Charlotte nickt zustimmend. „Bei Kaleido fühlt es sich wirklich wie ein Privileg an: Hier weiß jede*r Bescheid. Und das sollte überall so sein. Ich rate jedem, offen mitzuteilen, dass er oder sie Diabetes hat, egal in welchem Job. Vor allem für die eigene Sicherheit.
„Du bist nicht verpflichtet, es bei einer Bewerbung zu erwähnen,“ fügt Korelien hinzu. „Aber sobald du eingestellt wurdest, solltest du es sagen, für den Fall, dass mal etwas passiert. Als ich mich bei Kaleido beworben habe, habe ich es sogar schon im Lebenslauf angegeben. Das schien mir in dieser Branche ein Pluspunkt zu sein.“
Immer vorbereitet sein
Beide haben ihr eigenes System und ihre eigene Vorgehensweise. Charlotte isst zum Beispiel gerne alle paar Stunden etwas, während Korelien gar keine festen Zeiten hat. „Ich esse, wenn ich Hunger habe oder unterzuckert bin.“ Charlotte hat immer ihre orangefarbene Glukagon-Spritze dabei, und sowohl Korelien als auch Charlotte haben als Backup Infusionssets, Patronen und Nadeln in ihrem Spind. „Und wir haben natürlich unsere Unterzuckerungs-Ecke,“ sagt Korelien lächelnd. „Voll mit schnellen Energielieferanten.“
Bei der Auswahl sind sich die beiden allerdings nicht immer einig: Korelien: „Eine Flasche AA-Drink, ist immer dabei. Traubenzucker finde ich wirklich ungenießbar.“ Charlotte: „Mittlerweile bin ich ein Fan von Quetschbeuteln mit Fruchtpüree. Aber ehrlich? Ein Snickers ist mir noch immer am liebsten, auch wenn der nicht schnell genug wirkt.
Auf den Körper hören
Was ihnen beiden wichtig ist? Auf den eigenen Körper hören. „Schäm dich nicht, dir einen Moment für dich zu nehmen, und kenne deine eigenen Grenzen – und sag sie auch,“ sagt Charlotte. „Sonst überschreitest du deine eigenen Grenzen.“ Tipps für Kolleginnen und Kollegen haben sie auf jeden Fall. „Es ist nicht nötig, ständig nachzufragen, wie es einem geht, denn es darf auf keinen Fall bevormundend sein“, meint Korelien. Charlotte stimmt zu. „Es bleibt schließlich unsere eigene Verantwortung. Aber falls jemand Fragen hat oder unsicher ist, einfach fragen – das ist völlig in Ordnung.“
Ist das ein Tamagotchi?
Diabetes sorgt manchmal auch für lustige Situationen. Da war zum Beispiel die Kollegin, die glaubte, Korelien hätte den ganzen Tag ein Tamagotchi dabei. Und eine andere, die es komisch fand, dass sie ständig eins mit sich führte. Korelien erzählt, dass sie manchmal genau während eines Pumpenwechsels angerufen wird. „Dann rufe ich später zurück oder bitte eine Kollegin oder einen Kollegen, zu übernehmen. Dasselbe gilt, wenn ich unterzuckert bin.“
Ein andere Sichtweise
Seit sie bei Kaleido arbeiten, sehen die Kollegen und Kolleginnen Diabetes mit anderen Augen. „Ich merke, dass jede*r auf seine eigene Weise damit umgeht,“ sagt Korelien. „So viele Menschen und so viele Arten, damit umzugehen. Und das ist okay so.“ Charlotte nickt. „Das macht das Arbeiten in dieser Branche erst so besonders.“
Raum schaffen für den Umgang mit Diabetes
Korelien fasst es zusammen: „Ich bin nicht mein Diabetes, ich habe Diabetes. Diabetes begleitet dich ständig – aber es darf dein Leben nicht bestimmen.“ Und darum geht es beim Weltdiabetestag 2025: den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass alle mit Diabetes sich frei und wertgeschätzt fühlen. Damit eine Unterzuckerung einfach eine Unterzuckerung sein darf. Und damit Kolleg*innen wissen: Nachfragen ist immer erlaubt. Denn Verständnis beginnt mit Offenheit.
Tipps für deinen ersten Arbeitstag als Diabetiker*in
- Am besten erzählst du es gleich deinen Kolleg*innen – das sorgt für deine eigene Sicherheit.
- Sorge dafür, dass du immer alles dabei hast: kleine Notfall-Energielieferanten, Insulin, Nadeln und Backup-Material.
- Plane deinen Set-Wechsel zum richtigen Zeitpunkt.
- Sei offen und ehrlich darüber, was du brauchst.
- Und vor allem: Schäm dich nicht für deine Diabetes
Dieser Blog basiert auf den Erfahrungen von Charlotte und Korelien. Für medizinische Beratung wende dich immer an deine*n Ärztin/Arzt.